Schmunzelclub

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Lernprobleme an der Wurzel packen.

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Teilleistung und Teilleistungsschwäche – was ist das ?

Der häufigste Grund, warum Kinder beim Psychologen vorgestellt werden, sind Lern- und Verhaltensstörungen. Dabei wird die Lernstörung von den Eltern oft bedeutend wichtiger genommen als die Auffälligkeiten im kindlichen Verhalten. Immer wieder stellt sich im Anamnesegespräch heraus, dass das Kind schon lange, bevor eine Lernstörung auftrat, Verhaltensauffälligkeiten zeigte. Meistens aber wurden diese Symptome nicht für so beunruhigend erachtet, dass der Weg zum Psychologen gesucht wurde. Denn auch heute noch ist es für viele Eltern schwierig, Hilfe vom Psychologen zu holen, da dies noch immer als abwertend, sozial diskriminierend und peinlich erachtet wird. Durch Lernstörungen allerdings sind Eltern oft derart alarmiert, dass sie diese Hemmschwelle überwinden können und professionelle Hilfe suchen.

 

Was ist das nun, eine Teilleistungsschwäche? Um zu einem tieferen Verständnis des Begriffs Teilleistungsschwäche zu gelangen, möchte ich ein Bild verwenden: stellen Sie sich ein Kind als Baum vor. Wenn wir von diesem Bild ausgehen, dann ist all das, was wir im Moment der Begegnung mit dem Kind, also im Hier und Jetzt, in der Gegenwart, an dem Kind beobachten können, in der Krone des Baumes. In der Krone stellen wir uns also den aktuellen Entwicklungsstand des Kindes vor, all die Fähigkeiten, Fertigkeiten, Verhaltensweisen, die wir im Moment, im Augenblick der Begegnung mit dem Kind, beobachten können.

TLS-Baum: Aktueller Entwicklungsstand
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Je nachdem, in welchem Lebensalter wir dem Kind begegnen, können wir daher in der Krone Unterschiedliches beobachten. Treffen wir das Kind im Kindergartenalter, so können wir z.B. sein Sprachverständnis, seine sprachliche Ausdrucksfähigkeit, seine graphomotorischen Leistungen, seine Fähigkeit, sich in die Gemeinschaft Gleichaltriger zu integrieren usw. beobachten. Begegnen wir dem Kind im Schulalter, so bildet sich in der Krone des Baumes z.B. seine Fähigkeit, das Lesen und Schreiben zu erlernen, das Rechnen zu erlernen, sich zu konzentrieren, sich situationsangepasst zu verhalten, seine Hausaufgaben zu erledigen usw., ab.

TLS-Baum: Kindergartenkind, Schulkind

Wie diese Krone entwickelt ist, hängt davon ab, wie sich der Stamm und die Wurzeln entwickelt haben. Und in diesem Bereich des Stammes und der Wurzeln liegen die einzelnen Teilfunktionen oder Teilleistungen, die dann im Zuge der Entwicklung des Kindes reifen, miteinander in Verbindung treten, damit sich der Baum harmonisch entfalten kann.

TLS-Baum: Teilleistungen

Diese Teilleistungen sind bei den meisten Menschen einheitlich entwickelt. Sie können einheitlich durchschnittlich oder einheitlich überdurchschnittlich oder einheitlich unterdurchschnittlich entwickelt sein. Immer, wenn diese Teilleistungen einheitlich entwickelt sind und keine anderen Störfaktoren die Entwicklung irritieren, wird auch die Krone des Baumes harmonisch wachsen. Sie wird dann, entsprechend dem Niveau der Teilleistungen, ein harmonisch durchschnittliches, harmonisch überdurchschnittliches oder harmonisch unterdurchschnittliches Wachstum zeigen.

 

TLS-Baum: Symptom (Lern- und/ oder Verhaltensstörung)

Wenn wir beim Bild des Baumes bleiben, sind Lern- und Verhaltensstörungen Unregelmäßigkeiten, ungleichmäßige Ausreifungen in der Krone, die durch partielle Unreifen in den Teilleistungen – Teilleistungsschwächen – bedingt sein können.

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Wie hängen Teilleistungsschwächen mit Lern- und Verhaltensstörungen zusammen?

Was kann nun in der Krone an Auffälligkeit, an Symptom beobachtet werden? Das Symptom, das wir in der Krone beobachten können, ist selbstverständlich altersspezifisch: sollte das teilleistungsschwache Kind bereits im Kindergartenalter auffallen, so kann natürlich keine Lese-Rechtschreibschwäche oder Rechenstörung diagnostiziert werden, weil das Kind in diesem Alter ja noch nicht mit Lesen, Schreiben und Rechnen konfrontiert ist. Im Kindergartenalter ist vielleicht eine graphomotorische Ungeschicklichkeit, eine Sprech- oder Sprachstörung wie Dysgrammatismus oder Stammeln, oder auch Schwierigkeiten, sich an die Spielregeln der Gemeinschaft zu halten, zu bemerken.

TLS-Baum: Graphomotorik, Sprache, Sozialverhalten

Lernen wir das Kind im Schulalter kennen, so kann als Symptom z.B. Legasthenie oder Leseschwäche oder Rechtschreibschwäche oder Rechenstörung oder Konzentrationsschwäche oder auch Verhaltensstörung bemerkt werden.

Wie können sich Teilleistungsschwächen auf das Verhalten des Kindes auswirken?

Die Auswirkungsmöglichkeiten von Teilleistungsschwächen sind vielfältig: sie können sich auf das Lernen, aber auch direkt auf das Verhalten eines Kindes wirken (z.B.: Differenzierungsschwächen verringern das Mimik- und Gestikverständnis, das Erkennen des emotionalen Gehalts einer verbalen Aussage usw.). Gerade die Auswirkungen von Teilleistungsschwächen auf das Verhalten eines Kindes werden meistens sehr lange nicht bemerkt und führen in der Folge zu massiven emotionalen Schwierigkeiten des Kindes. Die üblichen Erziehungsmittel bewirken vielleicht kurzfristig, aber niemals langfristig anhaltende Veränderungen. Häufig berichten Eltern und Lehrer, dass diese Kinder doch manchmal durch massive Drohungen und harte Strafen zum angepassten Verhalten zu bringen sind. Daraus schließen die Erwachsenen oft, dass das Kind nur eine „härtere Hand“ brauchen würde, um sich entsprechend verhalten zu können. Dieser Schluss ist ein Fehlschluss. Das Androhen von massiven Strafen bzw. die „konsequente Einhaltung“ dieser Strafe führt lediglich dazu, dass das Kind durch diese Augenblicke der Angst hellwach und erschreckt wird und im besten Fall diese Wachheit dazu führt, dass das Kind kurzfristig Anforderungen erfüllen kann. Langfristig führt es zum Dauerstress und zur massiven Überforderung des Kindes, die sich in Minderwertigkeitsgefühlen niederschlägt. Diese Minderwertigkeitsgefühle wirken sich im weiteren in Verhaltensstörungen aus und beeinträchtigen massiv das psychische Wohlbefinden des Kindes. Diese seelische Belastungen des Kindes in der Folge von Teilleistungsschwächen werden unter dem Begriff „sekundäre Neurotisierung“ zusammengefasst. (Dieser Begriff wurde von LEMPP geprägt.)

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Behandlung von Teilleistungsschwächen.

Wenn nun die Diagnostik abgeklärt hat, ob die Schwierigkeiten des Kindes durch eine Teilleistungsschwäche verursacht sind, und auch differenziert herausgefunden hat, in welchem Bereich die Teilleistungsschwäche liegt, so gilt es, einen effizienten Behandlungsplan zu erstellen.

Essentiell für eine effiziente Behandlung ist, das Kind in der mangelhaft entwickelten Grundfunktion dort abzuholen, wo es gerade steht. Das heißt: ein Trainingsprogramm muss unbedingt auf dem Niveau ansetzen, auf dem das Kind diese Teilleistung noch ohne Schwierigkeiten erbringen kann. Darauf aufbauend, muss das Training Schritt für Schritt die nicht voll ausgereifte Teilleistung nachtrainieren und nachreifen helfen. Das heißt also, angewendet auf das Beispiel der Legasthenie: hat die Diagnostik geklärt, dass eine Teilleistungsschwäche die Ursache für die Legasthenie ist, dann ist es die Aufgabe der Behandlung, die Teilleistungsschwäche zu beheben, nicht, mit dem Kind Rechtschreibübungen zu machen. Solange das Kind eine Teilleistungsschwäche hat, sind Rechtschreibübungen im besten, aber seltenen Fall, nur kurzfristig effizient, führen aber nicht zum langfristigen Erfolg, sondern zur weiteren Entmutigung und Überbelastung des Kindes. Denn zu erleben: ich habe mich bemüht, ich habe geübt, mehr als die anderen Kinder, und habe trotzdem weniger Erfolg erzielt, führt zwangsläufig zur Demotivation. Im Erwachsenenleben wäre ein Berufswechsel die logische Konsequenz aus der Erfolglosigkeit – diese Alternative steht dem Kind nicht zur Verfügung: der Schule kann der Schüler nicht kündigen.

Je jünger das Kind ist, desto früher wird es im Zuge der Behandlung das altersentsprechende Entwicklungsniveau in der Teilleistung erreichen. Dabei ist es wichtig, im Training den natürlichen Entwicklungsstufen zu folgen. Unabhängig davon, welches Alter das Kind zum Zeitpunkt der Diagnostik erreicht hat, ist es notwendig, mit dem Training auf dem Niveau anzusetzen, bis zu dem die Teilleistung des Kindes entwickelt ist, also das Kind dort abzuholen, wo es steht.

TLS-Baum: Teilleistungsschwächenbehandlung

 

Wozu Teilleistungsschwächendiagnostik und -behandlung?

Teilleistungsschwächen zu behandeln ist nur deshalb notwendig, weil der Mensch unter der Auswirkung der Teilleistungsschwäche, nicht unter der Teilleistungsschwäche selbst, leidet. Denn üblicherweise sind Kinder, die Schwierigkeiten machen, Kinder, die Schwierigkeiten haben. Und Kinder, die Schwierigkeiten haben, sind unbequeme Kinder. Unbequeme Kinder erhalten weniger Anerkennung, Zuwendung, dafür meistens umso mehr negative Aufmerksamkeit seitens ihrer Umgebung. Und das macht sie leidend. Aber nicht nur die Kinder leiden, sondern auch ihre Umgebung, zumeist die ganze Familie, leidet unter diesen Auswirkungen von Teilleistungsschwächen. Und dieses Leid verpflichtet zur aufwendigen Diagnostik, um einen effizienten Therapieplan erstellen und durchführen zu können und dem Kind damit die Chance einer harmonischen Entwicklung zu bieten.